Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels gab im Dritten Reich die Richtlinien des „rechten Denkens“ vor. Das Hauptziel der Reichskulturkammer war die staatliche Organisation und Überwachung bzw. Kontrolle der Kultur. Demnach diente die Reichskulturkammer der Gleichschaltung der Kultur, um alle gesellschaftlichen Bereiche zu kontrollieren. Heute gibt es den „linken“ Mainstream und dessen politische Korrektheit. Eine mächtige Allianz aus Merkel, Gauck und anderen Spitzenpolitikern, aus Gewerkschaften, Kirchen, muslimischen Verbänden, die Amadeu-Antonio-Stiftung, den großen Medien und Talkshows bis hin zur terroristischen Antifa und einem Justizminister der sich eher als Gesinnungsminister hervortut. Sie teilen in Hell-Deutschland und Dunkel-Deutschland. Sie stellen jeden der nicht dem „linken“ Mainstream und dessen politische Korrektheit entspricht in die rechten Ecke bzw. diffamieren sie ggf. gleich als Nazis. Dieser Mainstream, diese Gut"herren"menschen ersetzen das Grundgesetz. Sie verbreiten und verüben ein subtiles Klima der Angst und Unterdrückung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Sie üben Zensur und gesellschaftlichen Druck aus, wo immer es ihnen möglich ist. Sie geben das neue „Rechte Denken“ vor und schränken das Grundrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit ein. Da würde selbst ein Joseph Goebbels vor Neid erblassen. Dieser Blog – soll "Neues" aus der „neuen Reichskulturkammer“ - mit zusammengetragenen Beiträgen aus dem Internet - widerspiegeln.

Der Philosoph Theodor W. Adorno: „Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.“

Sunday, May 29, 2016

Landstreicher? Obdachloser? Wohnungssuchender?

Ich verstosse des Öfteren gegen wesentliche Prinzipien der Gesellschaft. In letzter Zeit wird das immer offensichtlicher. Es fängt bei unterlassenen Solidaritätsbekundungen an und geht bis zu sexistischen Lachanfällen.

So habe ich zum Beispiel nach den Anschlägen in Paris oder Brüssel als Zeichnen der Anteilnahme mein Facebook-Profilbild nicht in den jeweiligen Landesfarben eingefärbt. Ich pflege Terror grundsätzlich nicht auf meiner Facebook-Seite zu verurteilen – ich poste dort hauptsächlich Bildli von mir mit der Legende „je suis Tamara". Über Schwulenwitze meines Lieblings-Comedians Dieter Nuhr lache ich herzhaft. Manchmal nenne ich Schwule ‚schwul' anstatt ‚homosexuell', was total unsensitiv ist, ich glaube, es ist sogar verboten. Am allerlustigsten finde ich Frauenwitze. ‚Schliesse deine Frau und deinen Hund in den Kofferraum ein. Warte 15 Minuten und öffne den Kofferraum. Wer freut sich?' Der Brüller.

Ich sah von Spenden an Opferverbände ab, als vergangenes Jahr dieser Typ in einer US-Talkshow den verächtlichen Begriff ‚Hard worker' aussprach. (Rückblick: Der Diskussionsteilnehmer verstieg sich auf MSNBC zu dem Ausdruck, wurde aber - dem Himmel sei Dank - auf der Stelle von der sensitiven Moderatorin gemahnt, „besonders vorsichtig" zu sein mit ‚Hard worker'. Der Ausduck sei beleidigend „wegen der Sklaven und der armen Mütter". Durch den Begriff habe sie das Bild von Menschen im Kopf, die auf Baumwollfeldern schuften. Das sei eine Erinnerung daran, wie harte Arbeit wirklich aussieht).

Ich lobte bisher jene, die hart arbeiten. Mir kommen dabei Kanalarbeiter oder Feuerwehrleute in den Sinn, Minenarbeiter, der härteste Job überhaupt, müssen die armen Kerle doch täglich hoffen, wieder heil nach oben zu kommen. Aber da liege ich vermutlich erneut falsch. Muttersein ist ja der härteste Job der Welt – sagen jedenfalls die Mamas. Wenn sie nicht gerade mit dem Nachwuchs Cupcakes backen oder im Schwimmbad plantschen.

Ich bin nicht die Einzige, die verbale Verfehlungen produziert. Neulich stand ich mit Freunden in der Basler Innenstadt. Eine ungepflegte Erscheinung mit strengem Alkoholgeruch bat uns um Münzen. „Einmal mehr so ein Landstreicher", sagte Freddy, „der nirgends wohnt und von der Hand in den Mund lebt".

-„Landstreicher? Ich hab mich wohl verhört", sagte ich energisch.

-„Ja, Landstreicher," sagt Freddy. „Ungepflegte Erscheinungen, die streng nach Alkohol riechen und Passanten um Münzen bitten".

-„Lieber Freddy, ‚Landstreicher' ist absolut diskriminierend. Solche Menschen nennt man seit

J-a-h-r-e-n ‚Obdachlose'."

-„Wie bitte?!", herrschte mich Vreni an. „Obdachlose? Liebes Tamara, ‚Obdachlose' ist heutzutage völlig diskriminierend. Leute stellen sich bei dem Ausdruck ungepflegte Erscheinungen vor, die streng nach Alkohol riechen und Passanten um Münzen bitten."

-„Was soll ich denn sonst sagen?", wollte ich wissen.

-„Na, Wohnungssuchende."

Freddy zeigte sich skeptisch: „Es wird nicht lange dauern, und jeder stellt sich unter einem ‚Wohnungssuchenden' eine ungepflegte Erscheinung vor, die streng nach Alkohol riecht und Passanten um Münzen bittet. Man sollte sofort einen neuen Ausdruck einführen für jemanden, der auf Wohnungssuche ist. Beim derzeit angespannten Wohnungsmarkt ist die Person ja schon genug bestraft. Sie sollte nicht noch mit einem Landstreicher oder Obdachlosen gleichgesetzt werden." 

Tamara Wernli arbeitet als freischaffende News-Moderatorin und Kolumnistin bei der Basler Zeitung. Dort erschien dieser Beitrag auch zuerst.  In ihrer Rubrik „Tamaras Welt" schreibt sie wöchentlich über Gender- und Gesellschaftsthemen.

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